Mit Wake-on-LAN können Sie Ihren ausgeschalteten PC bequem über das Internet per Smartphone starten. Unsere Schritt-für-Schritt-Anleitung zeigt, wie Sie BIOS, Windows und Router richtig konfigurieren. So greifen Sie auch unterwegs sicher und zuverlässig auf Ihre Dateien zu.
Wake-on-LAN ist die ideale Lösung, wenn Sie dringend auf Dateien Ihres Heimcomputers zugreifen müssen, während Sie unterwegs oder im Büro sind. Mit dieser Technologie können Sie Ihren ausgeschalteten PC aus der Ferne über das Internet per Smartphone starten - ganz ohne teure Serverlösungen. Es genügt, einige Einstellungen am Mainboard vorzunehmen, das Betriebssystem anzupassen und eine kostenlose App auf Ihrem Handy zu installieren.
In dieser Anleitung zeigen wir Schritt für Schritt, wie Sie Wake-on-LAN einrichten. Sie erfahren, wie Sie die notwendigen Optionen im BIOS und in Windows aktivieren, den Heimrouter für externe Signale konfigurieren und die physische Einschalttaste Ihres Rechners getrost vergessen können.
Wake-on-LAN ist ein Netzwerkstandard, der es ermöglicht, einen Computer aus dem Standby oder ausgeschalteten Zustand fernzusteuern. Das funktioniert über ein spezielles Signal - das sogenannte Magic Packet, das die MAC-Adresse der Zielnetzwerkkarte enthält und im lokalen Netzwerk verteilt wird.
Der Netzwerkadapter eines ausgeschalteten PCs bleibt in einem stromsparenden Hintergrundmodus aktiv. Erkennt er ein Magic Packet mit eigener MAC-Adresse, sendet er das Startsignal ans Mainboard. Wichtig: Diese Funktion arbeitet zuverlässig nur bei Kabelverbindung (Ethernet) mit dem Router.
Zunächst muss das Mainboard für Fernstart-Befehle freigeschaltet werden. Starten Sie den PC neu und öffnen Sie das BIOS/UEFI (meist mit Entf oder F2 beim Booten). Suchen Sie nach Bereichen wie Power Management, Advanced Configuration oder APM.
Dort finden Sie Einstellungen wie Wake on LAN, Power on by PCI-E, Resume by PME oder ErP Ready (letzteres muss deaktiviert werden, da es die Hintergrundstromversorgung kappt). Stellen Sie die gewünschte Option auf Enabled, speichern Sie mit F10 und starten Sie den PC neu.
Passen Sie nun das Betriebssystem an, damit der Netzwerkadapter nach dem Herunterfahren aktiv bleibt. Öffnen Sie mit Rechtsklick auf das Startmenü den Geräte-Manager, gehen Sie zu "Netzwerkadapter", wählen Sie Ihren Hauptcontroller (häufig Realtek, Intel oder Killer Gigabit Ethernet) und öffnen Sie die Eigenschaften per Doppelklick.
Unter "Energieverwaltung" setzen Sie Häkchen bei "Gerät kann Computer aus dem Standbymodus aktivieren" sowie "Nur durch Magic Packet aktivieren". So vermeiden Sie versehentliche Starts durch Hintergrundaktivität. Für noch mehr Komfort bei der Systemnutzung empfehlen wir Ihnen die 15 versteckten Einstellungen für mehr Komfort in Windows 11.
Wechseln Sie anschließend zum Tab "Erweitert" und suchen Sie die Option Wake on Magic Packet - im Feld "Wert" sollte Aktiviert stehen. Schalten Sie zusätzlich die Option "Schnellstart" im alten Energieoptionen-Panel aus, damit Wake-on-LAN unter Windows 10 und 11 zuverlässig funktioniert.
Der lokale Start sollte jetzt funktionieren, aber unser Ziel ist es, den PC von überall per Smartphone einzuschalten. Dafür muss der Heimrouter richtig eingestellt werden. Falls Sie ein Netzwerk-Upgrade planen, könnte auch der Artikel Mesh Wi-Fi 2025: Stabiles WLAN für große Wohnungen und Häuser interessant sein. Für klassische Router richten Sie nun die Weiterleitung externer Signale an Ihren PC ein.
Router vergeben standardmäßig dynamische IPs. Damit das Magic Packet immer das richtige Ziel findet, sollte Ihr Rechner eine statische interne IP bekommen. Öffnen Sie das Router-Webinterface (meist 192.168.0.1 oder 192.168.1.1) und suchen Sie den Bereich DHCP-Server oder LAN. Finden Sie Ihren PC anhand der MAC-Adresse oder Gerätebezeichnung und reservieren Sie die IP - oft mit "Reservieren", "IP an MAC binden" oder per manuellem Eintrag.
Nun muss der Router wissen, was er mit eingehenden Wake-on-LAN-Signalen tun soll. Gehen Sie zu "Portweiterleitung" oder "Virtuelle Server" und erstellen Sie eine neue Regel:
Die Einrichtung unterscheidet sich je nach Router-Marke (TP-Link, Asus, Keenetic) optisch, das Prinzip ist aber identisch.
Für das Senden des Fernsignals brauchen Sie eine entsprechende App auf dem Smartphone. Für Android empfiehlt sich z. B. "Wake on LAN", für Apple-Geräte eignet sich "Mocha WOL". Die Bedienung ist einfach: Legen Sie eine neue Verbindung an und tragen Sie folgende Daten ein:
Bei dynamischer IP vom Provider sollten Sie zusätzlich DDNS im Router einrichten, um stets einen festen Domainnamen zu haben.
Nach dem Speichern des Profils erscheint eine Starttaste in der App. Egal, ob Sie im Café oder Hotel sind - ein Klick genügt zum Einschalten des Rechners. Beachten Sie dabei die Grundregeln für Sicherheit in öffentlichen Netzwerken. Lesen Sie dazu unsere Hinweise: Öffentliche WLAN-Sicherheit: So schützen Sie Ihre Daten 2025.
Trotz korrekter Einrichtung kann es vorkommen, dass der PC nicht auf Fernbefehle reagiert. Meist liegt das am aktivierten Schnellstart in Windows - dieser versetzt den Rechner in einen Tiefschlaf, bei dem der Netzwerkadapter komplett stromlos ist. Deaktivieren Sie diese Option in den Energieeinstellungen.
Ein weiteres Problem ist der ARP-Cache im Router: Vergisst dieser die MAC-Adresse des ausgeschalteten PCs, kommt das Magic Packet nicht an. Daher ist die feste IP-Zuweisung so wichtig.
Auch die Energiesparoptionen im BIOS sollten überprüft werden. Ist der europäische Standard ErP/EuP Ready aktiviert, trennt das Mainboard den Netzwerkcontroller vollständig. Setzen Sie diese Option auf Disabled.
Mit Wake-on-LAN müssen Sie Ihren Rechner nicht mehr rund um die Uhr laufen lassen. Nach einer halben Stunde Einrichtung (BIOS, Windows-Netzwerkkarte, Router) sichern Sie sich zuverlässigen Zugriff auf Ihre persönlichen Dateien und Dienste weltweit.
Wichtig für den Erfolg: ein öffentlicher, statischer IP-Adresse und eine Kabelverbindung zum Router. Testen Sie die Funktion zuerst im Heimnetz über WLAN, bevor Sie den Fernzugriff über das Internet aktivieren.