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LiDAR-Technologie: Revolution in Smartphone und Auto erklärt

LiDAR ermöglicht präzise 3D-Erfassung der Umgebung in Smartphones und Fahrzeugen. Der Laser-Sensor liefert genaue Tiefenkarten für AR, Navigation und Sicherheit. Erfahre, wie LiDAR funktioniert, welche Vorteile und Grenzen es hat und warum es Kameras und Radar ideal ergänzt.

27. Nov. 2025
7 Min
LiDAR-Technologie: Revolution in Smartphone und Auto erklärt

LiDAR hat sich in den letzten Jahren zu einer Schlüsseltechnologie in Smartphones und modernen Fahrzeugsystemen entwickelt. Dank LiDAR können Geräte ihre Umgebung dreidimensional "sehen", Entfernungen hochpräzise messen und detaillierte Tiefenkarten erstellen. In Smartphones verbessert LiDAR AR-Anwendungen sowie den Autofokus der Kamera, während er in Fahrzeugen für Navigation, Kollisionsvermeidung und autonome Fahrfunktionen eingesetzt wird.

Was ist LiDAR und was misst diese Technologie?

LiDAR (Light Detection and Ranging) ist eine Fernmesstechnologie, die mithilfe von Laserimpulsen Abstände zu Objekten bestimmt. Im Gegensatz zu Kameras, die Bilder aufnehmen, "scannt" LiDAR aktiv den Raum: Das Gerät sendet kurze Infrarot-Laserblitze aus, empfängt das reflektierte Signal und berechnet die Distanz anhand der Laufzeit des Lichts.

Das Hauptziel von LiDAR ist die Erstellung einer präzisen Tiefenkarte. Gemessen werden dabei:

  • die Entfernung zu jedem Punkt im Sichtfeld,
  • Form und Position von Objekten,
  • räumliche Konturen von Wänden, Möbeln oder Personen,
  • Veränderungen im Raum in Echtzeit.

Das Ergebnis ist ein dichtes 3D-Modell der Umgebung, bei dem jeder Punkt Koordinaten erhält. Darum ist LiDAR für Smartphones bei AR und Innenraumerfassung so wichtig und in Fahrzeugen für Hinderniserkennung, Navigation und sichere Routenplanung unverzichtbar.

Funktionsweise von LiDAR: Laser, Reflexion und Zeitmessung

Die Grundlage von LiDAR ist das Time-of-Flight-Verfahren (ToF): Es misst, wie lange das Licht vom Sensor zum Objekt und zurück benötigt. Der Sensor sendet einen kurzen Laserimpuls, meist im Infrarotbereich, und erfasst den Zeitpunkt, zu dem der reflektierte Strahl zurückkehrt. Durch die bekannte Lichtgeschwindigkeit kann das System die exakte Entfernung bis auf wenige Zentimeter oder sogar Millimeter berechnen.

Moderne LiDAR-Systeme senden tausende Impulse pro Sekunde und scannen den Raum punktweise ab. In Smartphones geschieht das auf Entfernungen von wenigen Metern, in Fahrzeugen auf Dutzende oder Hunderte Meter, sodass eine umfassende Punktwolke entsteht. Die Auswertung dieser Daten ermöglicht den Aufbau einer 3D-Karte, in der jedes Fragment der Szene als Koordinate im Raum dargestellt wird.

Ein großer Vorteil: LiDAR ist unabhängig vom Umgebungslicht, da es seine eigene Lichtquelle nutzt. Das System arbeitet bei Tag und Nacht gleichermaßen zuverlässig - im Gegensatz zu Kameras, deren Leistung von Helligkeit und Kontrast abhängt.

ToF vs. LiDAR: Unterschiede in der Distanzmessung

ToF-Kameras und LiDAR basieren beide auf der Messung der Lichtlaufzeit, unterscheiden sich jedoch in Genauigkeit und Anwendungsbereich. ToF ist eine vereinfachte Variante, die die Tiefe einer gesamten Szene gleichzeitig erfasst und eine Tiefenkarte mit niedriger oder mittlerer Auflösung liefert - ideal für einfache Aufgaben wie Hintergrundunschärfe, Gestenerkennung oder grundlegende AR-Anwendungen.

LiDAR hingegen generiert viele punktuelle Laserimpulse und misst jede Position einzeln. Das führt zu einer deutlich höheren Präzision, besserer räumlicher Auflösung und stabileren Ergebnissen auch bei komplexen Oberflächenprofilen.

  • ToF: Schnell, kostengünstig, weniger präzise.
  • LiDAR: Hochgenau, detailreich, ideal für 3D-Scanning und Navigation.
  • ToF liefert eine "flache" Tiefenkarte, LiDAR erstellt eine vollständige Punktwolke.

Daher sind Smartphones mit LiDAR leistungsfähiger bei AR-Anwendungen, während ToF wegen seiner Einschränkungen in Fahrzeugen kaum zum Einsatz kommt.

LiDAR im Smartphone: Tiefenkarte, AR und 3D-Raumerfassung

LiDAR in Smartphones arbeitet auf kurze Distanzen - meist bis 3 bis 5 Meter - liefert aber weitaus genauere Daten als eine ToF-Kamera. Der Sensor erstellt schnell eine Tiefenkarte, auf der jeder Punkt die Entfernung zu Wand, Möbel oder Objekt widerspiegelt. Anhand dieser Karte kann das Smartphone 3D-Modelle erstellen, Räume vermessen und virtuelle Objekte exakt platzieren.

AR-Apps profitieren davon: Modelle stehen stabil auf dem Boden, erkennen Oberflächen, umgehen reale Gegenstände und reagieren auf Veränderungen der Szene. Bei der Raumerfassung ermöglicht LiDAR das schnelle Erstellen von 3D-Plänen, die präzise Geometrie und Maße enthalten.

Außerdem beschleunigt LiDAR den Kamera-Autofokus bei wenig Licht: Da das Gerät die Distanz kennt, sucht es nicht mehr lange nach Schärfe. Deshalb liefern LiDAR-Smartphones auch bei Nacht oder in dunklen Räumen bessere Aufnahmen.

Wie funktioniert LiDAR im iPhone? Besonderheiten des Apple-Sensors

Im iPhone ist LiDAR als kompakter Tiefenscanner im Hauptkameramodul integriert. Ein Infrarotlaser erzeugt dabei ein unsichtbares Punktmuster, dessen Impulsrückläufe gemessen werden. Daraus baut das iPhone eine detaillierte Tiefenkarte in Echtzeit auf.

Das Besondere am Apple LiDAR ist die enge Integration mit Kamera und Prozessor: Der A-Chip verarbeitet Millionen Messungen pro Sekunde und kombiniert sie mit Kameras und Bewegungssensoren. Daraus ergeben sich mehrere Vorteile:

  • Schneller und präziser Autofokus im Dunkeln, da die Entfernung zum Objekt bekannt ist
  • Besseres Freistellen von Motiv und Hintergrund bei Porträts
  • Exakte Platzierung von AR-Objekten selbst bei schwachem Licht
  • Gleichzeitige Erfassung von Boden, Wänden und Möbeln für realistische AR-Anwendungen

Der Sensor von Apple ist auf kurze Distanzen optimiert und erzeugt ein dichtes Tiefengitter im Nahbereich - ideal für AR, Innenräume und Fotografie. Das iPhone setzt nicht auf Reichweite, sondern auf Präzision und Stabilität im Nahfeld.

LiDAR im Auto: Rundumsicht, autonomes Fahren und Sicherheit

Automobil-LiDAR sind leistungsfähigere und weitreichende Versionen der Technologie, die Entfernungen von Dutzenden bis Hunderten Metern abdecken. Sie erzeugen eine detaillierte Punktwolke, sodass das Fahrzeug seine 3D-Umgebung versteht: Fußgänger, Fahrzeuge, Bordsteine, Verkehrsschilder und Hindernisse werden hochgenau erkannt.

Anders als Kameras ist LiDAR unabhängig vom Licht und funktioniert auch bei Dunkelheit zuverlässig. Im Unterschied zum Radar erkennt LiDAR nicht nur Bewegung, sondern auch Konturen und Formen von Objekten - und wird dadurch zum zentralen Bestandteil autonomer Systeme. Oft rotieren die Scanner oder nutzen Weitwinkel-Laser, um einen 360°-Rundumblick zu gewährleisten.

Wichtige Aufgaben von LiDAR im Fahrzeug:

  • Erstellung einer 3D-Umgebungskarte
  • Echtzeit-Objektverfolgung
  • Unterstützung des Autopiloten bei der sicheren Abstandswahrung
  • Kollisionswarnungen
  • Zuverlässige Funktion bei Dunkelheit und schwierigen Lichtverhältnissen

Die im Auto eingesetzten Modelle sind deutlich leistungsfähiger als mobile LiDAR-Systeme und nutzen Multibeam-Architekturen, um auch kleine Objekte exakt zu erkennen - selbst wenn Kamera oder Radar kaum Informationen liefern.

Vorteile von LiDAR gegenüber Kameras und Radar

LiDAR vereint die Präzision von Lasermessungen mit Unabhängigkeit vom Umgebungslicht und ist einzigartig unter den Umgebungssensoren. Während Kameras auf Licht, Kontrast und Textur angewiesen sind, arbeitet LiDAR Tag und Nacht gleich zuverlässig. Es ist unempfindlich gegenüber Gegenlicht und erkennt Objekte auch in völliger Dunkelheit.

Vorteile gegenüber Kameras:

  • Präzise dreidimensionale Erfassung der Szene
  • Zuverlässige Funktion bei schlechten Lichtverhältnissen
  • Exakte Distanzmessung zu allen Punkten
  • Weniger abhängig von Wetter und Reflexionen

Vorteile gegenüber Radar:

  • Hohe Detailgenauigkeit - Konturen und Formen werden sichtbar, nicht nur das Signal
  • Genauigkeit im Nahbereich
  • Erkennung stationärer Objekte, nicht nur bewegter

Radar misst Geschwindigkeit und Bewegung, Kameras liefern Farben und Texturen, LiDAR hingegen erkennt Struktur und Distanz. In modernen autonomen Systemen werden daher alle drei Sensortypen gemeinsam eingesetzt, um sich gegenseitig zu ergänzen.

Grenzen von LiDAR: Schwächen und Einsatzbedingungen

Trotz der hohen Präzision hat LiDAR auch Einschränkungen, die durch die Physik des Laserlichts und das Reflexionsverhalten bedingt sind. Die größte Schwäche ist die Detektion transparenter oder stark reflektierender Oberflächen: Glas, Spiegel oder glänzende Flächen können den Laserstrahl durchlassen oder streuen - dadurch erhält der Sensor fehlerhafte Daten oder erkennt das Objekt gar nicht.

Zudem ist LiDAR empfindlich gegenüber atmosphärischen Störungen: Bei Regen, Nebel oder Schnee werden Laserimpulse durch Wassertröpfchen oder Partikel gestreut. Das verringert die Reichweite und erhöht die Anzahl von Störpunkten. In Smartphones ist dies weniger problematisch, in Fahrzeugen beeinflusst es jedoch die Stabilität der Messungen.

Ein weiteres Limit sind Energieverbrauch und Kosten: Leistungsstarke Auto-LiDAR sind teuer und benötigen komplexe Elektronik. In Smartphones arbeitet LiDAR mit geringer Leistung und Reichweite, ist daher für großflächiges Mapping oder High-Speed-Navigation ungeeignet.

LiDAR ist somit kein Allzweckwerkzeug und funktioniert am besten, wenn keine starke Lichtstreuung vorliegt und die Objekte klare, reflektierende Oberflächen besitzen.

Fazit

LiDAR ist zur Schlüsseltechnologie für das präzise Erfassen von Räumen geworden - vom Smartphone bis zum autonomen Fahrzeug. Durch Laserimpulse und Messung der Rücklaufzeiten entstehen detaillierte Tiefenkarten, die unabhängig von Licht und Kontrast sind. So ermöglicht LiDAR in Smartphones exaktere AR-Erlebnisse, schnellen Autofokus bei Dunkelheit und präzises Raummapping, während Fahrzeuge damit sicher Objekte erkennen und navigieren können.

Im Vergleich zu Kameras punktet LiDAR mit exakter Distanzmessung und Nachtsicht, gegenüber Radar mit Detailreichtum und Formenverständnis. Die Technik ist jedoch weiterhin limitiert durch Reichweite, Probleme mit Glas oder Nebel und die Kosten der Hardware.

Wer die Funktionsprinzipien von LiDAR versteht, kann seine Rolle in modernen Geräten besser einschätzen: LiDAR ersetzt Kameras und Radar nicht, sondern ergänzt sie und liefert ein genaueres, zuverlässigeres Bild der Welt. In Zukunft wird LiDAR noch kompakter und leistungsfähiger - und erweitert die Möglichkeiten in AR, Robotik und autonomem Transport.

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