CFexpress und SD Express revolutionieren die Videoproduktion, indem sie die Grenzen klassischer SD-Karten überschreiten. Moderne Kameras benötigen für 4K- und 8K-Video deutlich höhere Geschwindigkeiten, die nur neue Kartenformate bieten. Erfahren Sie, welche Speicherkarte für professionelle Anforderungen wirklich geeignet ist.
CFexpress und SD Express stehen im Zentrum eines technologischen Umbruchs in der Videoproduktion. Klassische Speicherkarten geraten zunehmend an ihre Grenzen, denn moderne Kameras benötigen für 4K-Video und RAW-Aufnahmen deutlich höhere Lese- und Schreibgeschwindigkeiten als herkömmliche SD-Karten bieten können.
Der Secure Digital-Standard existiert seit über zwanzig Jahren und hat sich von einfachen Karten bis hin zu schnellen UHS-II-Varianten entwickelt. Dennoch stammt die Grundarchitektur aus einer Zeit, in der kontinuierliche Datenströme nicht im Fokus standen. Das veraltete Interface klassischer SD-Karten kann große Datenmengen nicht ohne Verzögerung übertragen.
Aktuelle Kameras erzeugen beim unkomprimierten Videodreh mehrere Hundert Megabyte pro Sekunde. Kann die Speicherkarte diesen Strom nicht aufnehmen, füllt sich der interne Puffer und die Aufnahme wird abgebrochen - ein No-Go im professionellen Bereich, wo kein Frame verloren gehen darf.
Die Antwort auf die Frage, welche Speicherkarte für 4K oder 8K benötigt wird, liegt in der Bitrate: Sie bestimmt, wie viel Daten pro Sekunde aufgezeichnet werden. Für einfachere Codecs mit IPB-Kompression reicht eine schnelle SD-Karte der Klasse V90 (ab 90 MB/s). Doch bei All-Intra-Kompression oder RAW-Aufzeichnung steigt der Bedarf schnell auf 400-800 MB/s.
Klassische SD-Karten können diese Belastung nicht dauerhaft leisten. Sie überhitzen, der Controller drosselt und es kommt zu Frame-Drops. Für stabile Aufnahmen sind moderne Kartenformate mit PCI Express-Bus unerlässlich. Wer die komplette Datenkette von Aufnahme bis Wiedergabe verstehen möchte, findet weitere Infos im Artikel HDMI erklärt: Unterschiede der Versionen und was für 4K/8K zu beachten ist.
Mit CFexpress kam ein revolutionäres Format auf den Markt, das konsequent auf moderne Computertechnologien setzt. Im Inneren steckt ein vollständiger SSD-Controller, wie er auch in Servern verbaut wird - allerdings im Miniaturformat. Das Prinzip ähnelt den Entwicklungen, die im Beitrag PCIe 5.0 und NVMe 2.0: Der neue Maßstab für SSD-Geschwindigkeit beschrieben werden.
Dank CFexpress ist es möglich, 8K-RAW-Videos direkt auf die Karte zu schreiben, ohne auf sperrige externe Recorder angewiesen zu sein. Diese Karten bieten nicht nur enorme Übertragungsraten, sondern auch höchste Zuverlässigkeit bei vielfachem Überschreiben großer Dateien.
Im Markt haben sich zwei Varianten etabliert: Type A ist sehr kompakt, sogar kleiner als SD-Karten, erreicht aber durch die Nutzung einer einzigen PCIe-Lane maximal etwa 1000 MB/s. Type B ist größer, nutzt zwei PCIe-Lanes und verdoppelt dadurch die Bandbreite auf bis zu 2000 MB/s. Die Entscheidung für Type A oder B beeinflusst die Wahl der Kamera und das gesamte Zubehörsystem.
Um die eigene Marktposition zu sichern, brachte die SD Card Association das Format SD Express auf den Markt. Die Idee: Vertraute Kartenform, aber mit aktueller Computertechnik im Inneren.
Technisch wurde ein zusätzlicher Kontaktstreifen für den PCIe-Bus integriert, um künftig immense Datentransfers zu ermöglichen. In der Theorie ist SD Express die perfekte Übergangslösung, doch die Praxis offenbart ein Problem: In Standard-Kartenlesern oder aktuellen Kameras mit UHS-II-Unterstützung läuft die Karte nur mit Basisgeschwindigkeit (UHS-I, ca. 100 MB/s). Ohne neue Peripherie ergibt der Kauf teurer SD Express-Karten also keinen Sinn.
Kamerahersteller haben sich längst entschieden - zu Ungunsten der SD-Nachfolger. Flaggschiff-Modelle setzen auf die neuen Formate und ignorieren den alten Formfaktor zunehmend.
Der größte Feind schneller Elektronik ist Hitze. Das dünne Plastikgehäuse klassischer SD-Karten kann die Abwärme moderner Controller nicht abführen. Bei intensiver Videoaufnahme drosselt die Karte (Throttling) und die Geschwindigkeit bricht ein.
Das neue Profi-Format löst dieses Problem radikal: Karten vom Typ B verfügen über Metallplatten, die als Kühlkörper dienen und die Hitze auf das Kameragehäuse übertragen. So bleibt die Geschwindigkeit auch bei langen Aufnahmen stabil.
In den kommenden Jahren wird sich die Branche zweigleisig aufstellen. UHS-II-Karten bleiben für Hobbykameras, Drohnen und Actioncams relevant, wo keine extremen Bitraten nötig sind.
Im professionellen Bereich hingegen wird sich die PCIe-basierte CFexpress-Ökosphäre als einziger Standard durchsetzen: Nur sie bietet die nötige Zuverlässigkeit für Mehrkamera-Setups, 4K 120fps und große RAW-Dateien für die Postproduktion.
Die technischen Grenzen klassischer Flashkarten sind erreicht. Die Branche muss auf leistungsfähigere und robustere Medien setzen, um der Nachfrage nach höherer Videoqualität gerecht zu werden.
Wer in komprimierten Formaten oder für Social Media produziert, kann noch einige Jahre mit schnellen SD-Karten arbeiten. Wer jedoch im kommerziellen Umfeld unterwegs ist, sollte auf moderne Solid-State-Standards setzen, um Zuverlässigkeit, Datensicherheit und effizienten Workflow zu gewährleisten.